Vulkanismus und Nautik

April 20, 2010 von  
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Die Aschewolke und Ihre Folgen für Chartersegler

Flugchaos: Bislang halten sich die Fälle gestrandeter Segler noch in Grenzen. Flottenbetreiber regeln Umbuchungen einstweilen sehr kulant

(20.04.2010/af) Die massiven Einschränkungen im europäischen Flugverkehr haben einige Chartercrews kalt erwischt. Sie sitzen in Revieren fest oder kommen nicht zu ihrem Schiff. Ab heute ist aber Besserung in Sicht, seit dem Vormittag nehmen die deutschen Airlines ihre Flüge schrittweise wieder auf.

“Bislang konnten wir alle betroffenen Kunden umbuchen. Entweder auf einen anderen Törntermin, oder aber sie wechselten kurzfristig zu einem Ziel mit Autoanreise, etwa Kroatien”, so Conny Rein von Moorings Deutschland. Auch Sunsail würde das derzeitige Flug-Debakel derart behandeln. Sollte das Chaos weiter anhalten, würde man versuchen, mit Gutschriften der Chartergebühr für zukünftige Törns dem Problem zu begegnen.

Ähnliches berichten auch andere Anbieter, wie etwa der deutsche Flottenbetreiber Sun Charter. “Wir hatten einige Kunden, die in der Türkei oder auf Mallorca gebucht hatten. Die haben wir zum großen Teil auf unseren Standort in Elba umgeleitet, da konnten sie mit dem Auto anreisen, und so war der Urlaub wenigstens nicht verloren”, sagte Mark Rosendahl, Geschäftsführer von Sun Charter.

Weniger Glück hatten einige Crews, die schon unterwegs waren und jetzt nicht zu ihrem Schiff kommen oder gar schon vor Ort sind. “Wir hatten einige Segler, die auf unser VPM-Basis auf den Seychellen waren und deren Rückflüge ausfielen”, so Lucy Barone von Barone Yachting, die zugleich VPM-Geschäftsführerin ist. “Durch Umwege teils über Moskau oder Dubai haben wir die aber alle zumindest erstmal nach Europa bekommen.” Anschließend seien die Crews mit Bus oder Autos weitergereist.

Bisher hält sich der Schaden in der Branche noch in Grenzen, da die europäische Saison noch nicht so richtig angelaufen war und der Zustrom in die Übersee-Ziele schon wieder abebbt. “Es wäre natürlich ganz anders, wenn wir schon Himmelfahrt oder sogar Pfingstferien hätten”, so Barone.

Die Rechtslage für Chartersegler ist relativ eindeutig: Die Flottenbetreiber sind nicht zur Rückzahlung der Mietgebühr verpflichtet, zumindest dann nicht, wenn der Törn nur durch eine Agentur vermittelt wurde. Erst wenn diese auch Flüge, Transfers und anderes organisiert hat, kommt möglicherweise eine Haftung in Frage, da sie dann als Veranstalter unter das Reiserecht fallen.

Nach den Erfahrungen der Agenturen sind die Fluglinien mit dem Problem teilweise überfordert. Die Hotlines seien chronisch überlastet, die News im Internet nicht immer aktuell.

Juristisch ist die Lage nicht ganz eindeutig, so YACHT-Rechtsexperte Dr. Heyko Wychodil: “Wird der Flug gestrichen, kann der Kunde natürlich sein Geld zurückverlangen.” Ist die Crew aber schon vor Ort und weiß nicht, wie sie zurückkommt, kann es auch anders ausgehen: “Es gibt zwar bei den meisten Airlines einen Anspruch auf den Rücktransport, aber es ist noch völlig unklar, ob der in solchen Fällen höherer Gewalt verhältnismäßig ist.” Das heißt: Je länger das Problem anhält, umso eher kann es sein, dass der Fluggast sich letztlich selbst um seine Rückreise kümmern muss.

Zurzeit sind aber alle Airlines sehr bemüht zu helfen. Air Berlin und Lufthansa haben heute ihre Flüge teils wieder aufgenommen, sind aber noch massiv damit beschäftigt, die gestrandeten Reisenden wieder nach Hause zu holen. Schadensersatzforderungen gegen die Airlines etwa für verpasste Törns sind aber wohl ausgeschlossen, da es sich eindeutig um einen Fall höherer Gewalt handelt, so Dr Wychodil.

Gespannt wartet die Öffentlichkeit heute auf die Auswertung eines Forschungsfluges durch die Aschewolke gestern Nachmittag, die Klarheit über die tatsächlichen technischen Risiken bringen sollte. Im Laufe des Tages werden Ergebnisse erwartet, nach denen sich auch das weitere Verfahren der deutschen und europäischen Flugsicherung richten dürfte.

Ob eine weitere Aschewolke wahrscheinlich ist, wird sich ebenfalls in den nächsten Tagen zeigen. Laut isländischen Geologen spuckt der Vulkan mittlerweile weniger Asche als vielmehr Lava und ist damit für die Luftfahrt deutlich ungefährlicher.